NOTRUF 112

Foto: Moni Kircher

„Ein brandheißes Hobby“ – Bericht der Siegener Zeitung vom 27.04.2023

1. Juni 2023

Die Sicht ist schlecht, mit Taschenlampen bahnen sie sich ihren Weg durch das Treppenhaus nach oben, nur schemenhaft erkennbare Gestalten, allesamt noch nicht besonders groß gewachsen. Die Jugendfeuerwehr Wilnsdorf übt an diesem Abend gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus Rudersdorf. Wilnsdorfs Jugendfeuerwehrwart Sebastian Hofmann hatte zuvor den angetretenen Nachwuchskräften die Einsatzlage erklärt: Ein Innenangriff ist zu absolvieren, Treppenhaus und Schulungsraum im Wilnsdorfer Feuerwehrgerätehaus sind „verqualmt“, eine Person wird vermisst.

Eine zweite Gruppe hat sich da schon hinters Haus begeben, um einen „Flächenbrand“ auf einer Wiese zu löschen. Rudersdorfs Jugendfeuerwehrwartin Jessica Strauß schwingt sich hinters Steuer eines der beiden Fahrzeuge, die heute ebenfalls im Einsatz sind. Im Gebäude nebelt Nils Hartmann das Treppenhaus nochmal neu ein. Der stellv. Gemeindejugendfeuerwehrwart schaut sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Katja, ebenfalls Stellvertreterin, und Gemeindejugendfeuerwehrwartin Martina Zimmermann die Fortschritte der Jugend an.

Natürlich kommt der „Qualm“ aus der Nebelmaschine, aber der Feuerwehrnachwuchs bekommt ein Gefühl für einen solchen Einsatz, erfährt im Zusammenspiel mit Kameradinnen und Kameraden, worauf es ankommt, lernt in durchmischten Gruppen auch andere Kinder kennen.

Was die Nachwuchssituation ihrer Freiwilligen Feuerwehr betrifft, so kann die Gemeinde Wilnsdorf nicht klagen: 155 Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 18 Jahren machen insgesamt mit, das sind so viele wie noch nie zuvor. Und natürlich wäre niemand der Verantwortlichen böse, wenn die 200er-Marke geknackt werden könnte. Jeder Wilnsdorfer Ortsteil unterhält eine eigene Jugendfeuerwehr-Abteilung. „Entgegen allen Befürchtungen“, so Martina Zimmermann, schadete die Corona-Zeit der Jugendarbeit nicht, im Gegenteil. „Und wenn einer schnuppern kommt, dann kommen drei mit“, weiß Katja Hartmann. Heute Abend zum Beispiel hat die zehnjährige Maya aus Rudersdorf ihre Freundin Nicola mitgebracht.

Diejenigen, die „Ü 16“ sind, dürfen bei den Aktiven mitüben, „das soll ihnen den Übergang in die Einsatzabteilung erleichtern“, erklärt Martina Zimmermann. Moritz Neuser, einer der „Großen“ aus der Jugendfeuerwehr Rudersdorf, hat heute ein Auge auf die Jüngeren. Wie nicht wenige hier, so hat auch er Verwandtschaft in der Feuerwehr, Vater und Opa, selbst ist er seit sieben Jahren dabei.

„Das hier“, sagt Moritz, auf die Wiese deutend, auf der die Kinder ihren Löschangriff üben, „ist ja nur ein kleiner Teil. Jugendfeuerwehr hat ganz viele Facetten“. Zeltlager, 24-Stunden-Übungen, Ausflüge, Spiel und Spaß … zählt die Gemeindejugendfeuerwehrwartin auf. Die Mädchen sind mit 35 (bei 120 Jungs) noch in der Unterzahl, „aber es wird“, sagt sie. Martina Zimmermanns Dank und „ein großes Lob“ gilt den Jugendwartinnen und -warten in den Ortsteilen, „inzwischen wieder ein fester Stamm“, ergänzt Katja Hartmann. Das ist wichtig, damit die Kinder feste Ansprechpartner haben. 1065 Gruppenstunden absolvierten die Jugendfeuerwehren im vergangenen Jahr, dazu kommen noch viele ungezählte mit Vor- und Nachbereitung.

Kreisbrandmeister Bernd Schneider meinte auf der letzten Jahresdienstbesprechung in der Wielandgemeinde, dass Wilnsdorf mit seinen 155 Nachwuchskräften besser aufgestellt sei als Köln. Was am Ende aber entscheidend ist, ist die Übernahmequote in die Einsatzabteilung. Die liegt im Moment bei guten 80 Prozent. Man sei mit der Feuerwehr Essen in Kontakt, berichtet Katja Hartmann, dort sei es genau andersherum: 80 Prozent treten nach ihrer Zeit in der Jugendfeuerwehr wieder aus, oft natürlich auch ausbildungs- oder schulbedingt.

Das kennt man so ähnlich auch in Wilnsdorf, „aber viele kommen auch wieder zurück“, meint Hannes Gieseler. Für ihn als Bürgermeister sei die Jugendförderung das A und O: „Wenn ein Verein keinen Nachwuchs mehr hat, ist das schade, aber wenn die Feuerwehr keinen hat, ist das ein Problem“.

Die älteste Jugendfeuerwehr im Gemeindegebiet Wilnsdorf ist übrigens die in Niederdielfen, gegründet 1965. In Anzhausen feiert man bald ein halbes Jahrhundert, deswegen findet dort auch am Samstag, 29. April, um 11 Uhr die Auftaktübung statt.

Hier in Wilnsdorf ist der Flächenbrand inzwischen gelöscht, Schläuche und Zubehör werden wieder im Wagen verstaut, damit die zweite Gruppe gleich alles wieder herausholen kann. Im Gebäude meldet Tialda: „Wir haben ihn gefunden“, auf einen Schatten unter der Treppe deutend. Zusammen mit Kamerad Jeremy legt sie die 70-Kilo-Puppe auf ein Rettungs- und Bergetuch und transportiert die „vermisste Person“ nach draußen. Hier nehmen sie wieder Aufstellung: für den nächsten „Einsatz“ an diesem Abend.

Die Veröffentlichung dieses Textes erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Siegener Zeitung (Link zum Originalbericht der SZ).

Text: Nicole Klappert, Siegener Zeitung
Fotos: Kay-Helge Hercher – www.hercher.tv

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